Mofacross 2003


Anno 2003 haben wir uns mal einen besonderen Spaß gegönnt: Bilder vom Rennen

zum 1ten:

Schon vor Jahren hatte mir ein Bekannter, Klaus (übrigens ein wilder Hund der auf seiner Suzi schon mal bei deutlich über 150 mit Wheelie über die Autobahn fährt), gesagt daß er regelmäßig Mofacrossrennen fährt.

Die finden wohl öfter mal auf einem präparierten Acker statt, ein Reglement für das Prozedere und die einzusetzenden Mofas gibt es auch, sieht etwa so aus:

  • Mofas müssen Handschaltung haben
  • max. 3 Gänge
  • max. 70ccm
  • funktionsfähige Pedale
  • zumindest die Abstammung von einem Mofa muß erkennbar sein
  • Renndauer 4 Stunden (ggf. 2 Läufe)
  • min. 3 Fahrer
  • wer die meisten Runden hat gewinnt

Klar daß mich das interessierte, den Motocross-Bazillus kriegt man eben nicht mehr aus den Knochen raus...

Also: "Klaus, wenn Du das nächste Mal fährst sag' Bescheid, dann hast Du schon mal einen guten Fahrer mehr!"

Ärgerlich: Klaus sagte nie Bescheid (er ist halt ein Träumer...)


Dann sprach mich im Frühjahr 2003 mein Freund Rudi an:

R.: "Hey Stefan, hast Du Lust mit mir ein 4-Stunden-Mofacross zu fahren?"

S.: "Na klar, wann? wie? wo? was für'n Mofa?"

R.: "Mach' ich fertig, tolle Kiste, 70ccm Rennzylinder, Rennauspuff, K&N-Filter..:"

S.: "Geil, dann haben wir ja wenigstens etwas Leistung. Was'n für'n Fahrwerk?" (dazu muss ich sagen: Rudi ist YAMAHA-Händler und ist früher auch mit einigen heißen Kisten Cross und Enduro gefahren, also rechnete ich z.B. mit einem DT80LC-Fahrwerk und hineingestecktem Mofamotor)

R.: "ein schön leichtes Mofa: HERCULES Prima 4S"

S.: "Häääh? bricht das nicht durch???" =8-0 *schluck*

R.: "naja, müssen wir halt ein wenig verstärken und vorsichtig fahren - nicht springen und so"

S.: "Sche...e, immer was Spaß macht darf man nicht tun" :-(


Naja, es sollte wohl so sein - immerhin besser als nix. Rudi hat also den Motor frisch gemacht. Der hörte sich dann schon so gut an, daß die Nachbarn bei den Testläufen böse geguckt haben ;-)

Fahrwerksseitig habe ich dann, etwas skeptisch, eine wieder entfernbare Rahmenstrebe gebaut sowie den Lenker und den Sattel mit Schweißnähten gegen herunterklappen gesichert.

=> fätttisch! (Übersetzung: "fertig")


So gerüstet konnte man dann ja mit mulmigem Gefühl zum Rennen fahren,

Motto: "Spass wollen wir haben, wo wir ankommen ist Wurscht"

(Anmerkung des Verfassers: so macht man wohl aus der Not eine Tugend...)


Auf der Strecke mußten wir dann erst mal schlucken: die Konkurrenz hatte ganz schön aufgerüstet: neben 2 oder 3 Exemplaren die mit unserem Umbau vergleichbar waren fuhr man auf: von hochbeinigen Serienmofa-Enduros über mit langen Gabeln und Federbeinen aufgepeppten Zündapp-Hais etc., scheibenbremsbewehrten und grobstolligen Umbauten bis zu "Profi-"geräten auf Kreidler-van-Veen-Basis war eine Vielzahl von technisch überlegenen Mofas am Start. Oha!

Mein Kommentar dazu: "Oje Rudi, wenn die nicht alle ausfallen sehen wir kein Land". Antwort: "Die fallen schon aus". Rückfrage: "Wir auch?" Schweigen...

Zusätzlich wurde die Konkurrenz auch nicht müde unser Gefährt zu belächeln und zu erzählen wie toll ihre eigenen Umbauten sind und wie sie uns alle verblasen würden. *Schluck*

Dann wurde ein Training angesetzt um die Strecke kennenzulernen.

Training:

Jetzt kommt eine peinliche Stelle: Ich bin vorher noch NIE so ein Schaltmofa gefahren. Ging aber so lala. Bis zum ersten Sprunghügel (so eine komische Holzschikane). Eingedenk der sehr spillerigen Fahrwerksauslegung hatten wir uns vorgenommen so vorsichtig zu fahren, daß das Fahrwerk keine harten Schläge abbekommt. Wollte ich auch. Ich heize also an den Sprunghügel ran - geil, das Ding geht ja mit dem Tuningkit richtig gut! - und gehe davor voll in die Eisen. Denke ich zumindest. Dafür ziehe ich beide Handhebel wie ich das bei meinem Mountainbike normalerweise auch mit gutem Erfolg tue wenn ich verzögern will. Es tut sich aber so gut wie nix, ich schieße quasi ungebremst über die Schanze und knalle nach einem ordentlich weiten Sprung recht hart wieder auf den Boden. Der Stunt ist zwar gestanden, aber so kann das im Rennen nicht auf Dauer gehen, das hält die Kiste nicht aus.

Warum passierte das? Naja (*erröt*), nur der rechte Handhebel ist Bremse und zwar für vorne und sehr unwirksam - die Hinterradbremse wird als Rücktrittbremse aktiviert. Muß einem ja auch jemand sagen...

Danach im Rennen war ich dann übrigens der gefürchtetste Ausbremser. Geht doch!

Nach dem Training hatte sich dann meine Miene schon etwas aufgehellt: Fahrtechnisch war die Mehrzahl der Konkurrenten nicht der große Hit, Kurvengeschwindigkeit und Bremspunkte waren häufig eher Opamäßig ausgelegt - dabei bin doch ICH der Opa! Überholvorgänge: "It was like taking candy from a baby" wie der geneigte Englischsprechende sagt. So konnte das Rennen dann auf uns zukommen, ich rechnete mir für uns beim Vergleich mit der Konkurrenz durchaus eine Position unter den ersten 10 aus, mit Glück unter den ersten 5.


Rennen:

Das Rennen übertraf dann allerdings unsere Erwartungen: Rudi war unser Startfahrer zum ersten Lauf und konnte beim LeMans-Start als erster in die erste Kurve einbiegen und diese Position dann einige Runden halten. Dann mußte er allerdings der Mehrleistung und besseren Fahrwerkstechnik einiger Konkurrenten Tribut zollen und fiel etwas zurück. Nach 30min Fahrerwechsel auf mich, es lief verdammt gut. Wir sind wie das heisse Messer durch die lauwarme Butter geschnitten. Leider waren ein paar andere Messer noch heißer :-(

Aber für unsere Gurke ging es außerordentlich gut voran. Besonders die Überholvorgänge machten einen Riesenspaß: Rudis Technik war so angelegt, daß er sich mit Überschußgeschwindigkeit gnadenlos innen neben die Konkurrenz setzte/lehnte und diesen keine Chance ließ. Der eine oder andere kam da auch schon mal erschreckt vom rechten Wege ab und echauffierte sich maßlos. Naja, Verschnitt ist immer ;-). Meine Technik fiel mir noch rechtzeitig von meiner früheren Crosserei ein: Luschen müssen vor Kurven angebrüllt werden! Gnadenlos gut war es dann immer zu sehen wie die dermaßen motivierten Konkurrenten sich erschreckt umdrehten, mich auf unserer Gurke sahen und mit fassungslosem Gesichtsausdruck überholen lassen mussten. Solch blöde Gesichtsausdrücke habe ich lange nicht gesehen - das war es wert!

weitere Bilder vom Rennen

Für den zweiten Lauf war ich unser Startfahrer und konnte auch die erste Kurve für mich gewinnen. Leider hielt diese Position nicht lange, da frisch für diesen Lauf die Strecke unter Wasser - ääh, Matsch - gesetzt worden war. In einigen Kurven bin ich mit unseren Reifchen und geringer Leistung glatt verhungert. Echter Vorteil für richtige Crossreifen :-(

Nach einigen Runden ging mir dann plötzlich der Motor aus und ließ sich nicht wieder starten. Nach einigen Startversuchen schob ich das Mofa dann im Laufschritt zur Box - hier zeigte sich dann mal ein echter Vorteil eines leichten Moppeds - wo ich dann nach luft schnappte und Rudi sich gleich an die Fehlersuche machte. Da zeigte sich was so ein richtiger Zweiradmechanikermeister kann: Nach wenigen Handgriffen hatte er die Fehlerursache gefunden (Zündkontakt) und in Minuten repariert. Also wieder rauf auf die Kiste und Turn zu Ende fahren, Fahrerwechsel und so weiter und so fort.

Resultat:

Etwa eine Stunde vor Rennende stellten wir fest, daß wir locker unter den ersten fünf waren, mit schon gutem Vorsprung auf die hinter uns liegenden Teams. Also nicht nachlassen und weiter gute Rundenzeiten fahren! Das war allerdings schwieriger zu tun als gesagt, zumindest ich hatte seit Beginn des zweiten Laufs mit Krämpfen und Verhärtungen in Beinen und Unterarmen zu kämpfen. Fahrt mal so schnell wie es ein Mofa hergibt über einen schlammigen Acker, und das einerseits untrainiert und andererseits in der blöden Beinposition wie sie ein Mofa nun mal erzwingt.

Aber egal: ein ungefährdeter ZWEITER PLATZ war der verdiente Lohn für unsere feine Teamleistung!

Geschlagen wurden wir nur von Henry van den Berg, einem ehemaligen recht guten Cross-DM-Fahrer auf einer wunderschön aufgebauten Kreidler mit van-Veen-Technik. Übrigens mit einem Klasse 4-Motor der von Fuß- auf Handschaltung umgebaut war - also ein ganz anderes Geschütz als unsere Gurke...

Fazit:

Das hat mal wieder so richtig Laune gemacht!

Und: gerne wieder ;-)

Stand: 2/18/2013